So helfen wir den schwerste Not leidenden Menschen in Tigray

In dem nun fünfzehnten Monat (Stand 27.02.2022) der kriegerischen Auseinandersetzung ist der östliche Teil Tigrays weiter unter tigrinischer Verwaltung und die militärischen Auseinandersetzungen sind hier beendet. Der westliche Teil ist von Soldaten der äthiopischen Regierung, ihren amharischen Hilfstruppen und eritreischen Soldaten besetzt. Teile im Norden des Landes sind von der Armee Eritreas besetzt.

Unverändert ist die Provinz Tigray von der Zentralregierung von der Außenwelt vollständig isoliert und extrem unversorgt. Telefon, Internet, Elektrizität und Banksystem sind von der Zentralregierung gesperrt. Die Bundesstraße von Addis Abeba nach Mekelle und alle anderen Verbindungsstraßen nach Tigray sind militärisch abgeriegelt. Auch die bereit stehenden Hilfstransporte zu den mehreren 100.000 Hungernden in Tigray erhalten aktuell keine Möglichkeit über eine lange Wüstenstrecke durch die benachbarte Provinz Afar Nahrungsmittel und Benzin nach Tigray zu bringen.

Die medizinische Versorgung der Zivilbevölkerung und der großen Zahl der durch die kriegerischen Auseinandersetzungen verletzten Zivilisten und Soldaten über das Rote Kreuz ist aktuell nicht möglich. Humanitäre Flüge nach Tigray finden nur sehr sporadisch mit kleinen Mengen an Medikamenten statt. Umfangreiche militärische Aktionen der Armee Tigrays und den Truppen der Zentralregierung in Regionen der Provinz Amhara und Afar führen zusätzlich zu großer Not der dortigen Bevölkerung. Wegen der vollständigen Abschaltung aller Kommunikationsmittel und Kontrolle der Medien sind weiter, keine verlässlichen Informationen über die aktuelle Situation in ganz Nordäthiopien für uns zu erhalten.


Wir haben sehr vereinzelt E-Mail Kontakt mit einigen uns vertrauten, leitenden Ärzten im Ayder Hospital Mekelle. Sie berichten weiter über die gravierenden Folgen des Fehlens an Medikamenten, Operationsmaterialien und Nahrungsmittel für die Patienten und das medizinische und nicht medizinische Personal im Ayder Hospital. Die Preise für Nahrungsmittel auf dem Schwarzmarkt sind extrem hoch. Es fehlen die Banknoten der örtlichen Währung in Birr, um mit internationalen Geldspenden in Dollar oder Euro Nahrungsmittel auf den örtlichen Märkten zu kaufen.


Um den extremen Mangel an Nahrungsmittel des Personals im Ayder Hospital zu lindern und so die Funktionstüchtigkeit des Krankenhauses zu erhalten, haben wir eine große Summe an Spendenmittel (120.000 €) für die Beschaffung von Nahrungsmittel durch die Krankenhausverwaltung bereitgestellt. Wegen der oben beschriebenen Währungsprobleme kann diese Hilfe nur sehr zögerlich zurzeit vor Ort umgesetzt werden.
Unverändert hoffen wir, dass es trotz der weiter sehr unübersichtlichen und von Not und Gewalt in ganz Äthiopien gekennzeichneten Lager in einem absehbaren Zeitpunkt ein Ende der Belagerung der Provinz Tigray durch die Zentralregierung eintreten kann, sammelt Etiopia-Witten mit großer Dringlichkeit weiter Spenden mit differenzierten Schwerpunkten.
Diese sind:

  • Beschaffung und Transport von äthiopischen Ärzten vor Ort angeforderten Medikamenten und medizinischem Material für das Ayder Hospital und andere Krankenhäuser als Ergänzung zur Basisversorgung durch das Internationale Roten Kreuz
  • Unterstützung der Versorgung der großen Zahl vergewaltigter Frauen und Mädchen.
  • Finanzielle Aufbauhilfe für Familien der Schüler der Schulen, die Etiopia-Witten in Tigray gebaut und betreut hat (Beginn mit der besonders abgelegenen Laley Seken Schule)
  • Finanzielle Unterstützung der elementaren Not leidenden Mitarbeiter des Ayder Hospitals für Käufe von Nahrungsmitteln
  • Unterstützung der Finanzierung von zweimal täglichen Essensausgaben an schwangere und stillende Frauen sowie an Kinder unter fünf Jahren durch das Ayder Hospital (LISA-Kitchen)

Sobald sich der Zugang zu der Provinz Tigray wieder öffnet, werden wir mit den uns vertrauten und bewährten Institutionen einen noch rascheren und wirkungsvolleren Einsatz der uns anvertrauten Spenden erreichen können. Dies auch mit guten Kontakten zum Internationalen Roten Kreuz und anderen Hilfsorganisationen.