Äthiopien benötigt Hilfe auf vielen Gebieten

Seit Gründung des Vereins Etiopia-Witten von Ärzten aus der Stadt Witten 2009 hat nicht nur die große Not und Hilfsbedürftigkeit auf medizinischen Gebiet die Mitglieder des Vereins bewegt sondern es wurden weitere Fördergebiete entwickelt. Unterstützer aus allen Teilen Deutschlands haben sich dem Verein angeschlossen.
 
Zur Zeit (Frühjahr 2018) fördert der Verein diese Bereiche:
  • Medizinbereich - Spenden von Geräten und Materialien, Schulung und Weiterbildung von Ärzten und Pflegekräften, Planung und Einrichtung neuer medizinischer Fachabteilungen, Organisation und Finanzierung von wissenschaftlich begleiteten Gesundheitsprojekten im Lande
  • Krankenhausverwaltung - Gebäude und Medizintechnik, Gebäudeverwaltung, Finanzwesen, Personalwesen, Beschaffung
  • Schulen - Bau von ländlichen Grundschulen, Spenden von Schuleinrichtung bis hin zu Computern
  • Kommunale Infrastruktur (Stadt Witten als Partnerstadt) - Rettungswesen, Feuerwehr, Brandschutz, Polizei, Städteplanung
  • Staatliche Verwaltung - Beratung von Ministerien und Bildungseinrichtungen bei der Schaffung moderner 
Verwaltungsstrukturen

Das Gesundheitswesen in Äthiopien

Unsere Strukturanalysen des äthiopischen Gesundheitswesens und der Krankenhäuser in Mekelle und Addis Abeba ergaben folgendes Bild:

Nur ein Teil der Bevölkerung hat Zugang zu den Einrichtungen des Gesundheitssystems.

Das öffentliche Gesundheitswesen in Äthiopien gliedert sich in:

  •  Zentrale Überweisungshospitäler (central referral hospitals)
  • Regionale Hospitäler (Regional Hospitals)
  • Provinzhospitäler (Rural Hospitals)
  • Gesundheitszentren (Health Centers)
  • Gesundheitsposten (Health Posts)


Referral Hospitals werden von der Zentralregierung finanziert, die übrigen Krankenhäuser und Einrichtungen werden von den Provinzregierungen betrieben. Alle bekommen für ihre Aufgaben jährlich ein festes Budget zur Verfügung gestellt. Mit diesem Geld wird alles bezahlt: Personalkosten, Sachkosten und Behandlungskosten. Die Steuerung erfolgt über das föderale- Gesundheitsministerium + Bildungsministerium und die Gesundheitsbüros der jeweiligen Provinz.

Daneben gibt Angebote des privaten Sektors von:

  • Hospitälern und privaten Kliniken
  • Apotheken
  • Entwicklungshilfe-Organisationen (NGO) oder von Religionsgemeinschaften geführten Einrichtungen
  • Traditionelle Heiler

Je nach Einkommen muss die Behandlung in den Krankenhäusern bezahlt werden. Hierher kommen also nur Personen, die wenigstens über ein kleines Einkommen verfügen. Personen mit höherem Einkommen suchen medizinische Versorgung in privaten Einrichtungen. Personen ohne Einkommen gehen in Health Centers und Health Stations, wenn diese in ihrer Nähe gelegen sind. Die Versorgung dort ist regional sehr unterschiedlich und unterliegt häufig Zufällen. Kommt man außerhalb der Öffnungszeiten, trifft man niemanden an oder wird abgewiesen. Ein europäisch gegliedertes Notdienstsystem gibt es allenfalls nur sehr vereinzelt in den wenigen Referral Hospitälern der Universitäten in den größeren Städten.

In Äthiopien gibt es bisher keine allgemeine Gesundheitsversicherung. Eine staatliche Krankenversicherung existiert für ca. 15.000 Regierungsangestellte. Sie soll mit ausländischer Beratung weiter aufgebaut werden. Es gibt einige private Gesundheitsversicherungen, die aber nur einen verschwindend geringen Teil der Äthiopier versorgt. Fast jeder Bürger muss seine Behandlung also selber bezahlen. Besonders arme Personen (das ist die Mehrheit) können sich eine Bescheinigung bei ihrer Heimatgemeinde ausstellen lassen. Sie erhalten dann eine kostenlose Gesundheitsversorgung auf niedrigstem Niveau.
Die Behandlungskosten werden separat für Untersuchungen, Medikamente, Operationen, Unterkunft, Pflegeleistungen, Essen und Trinken etc. abgerechnet.

Die Zahl der Ärzte in Äthiopien ist deutlich geringer als in westlichen Ländern (grob geschätzt 2018 etwa 7000 Ärzte oder 1 Arzt auf 15.000 Menschen bei ca. 107 Mio. Einwohnern). In Europa übliche Arztleistungen werden häufig von sog. Health officers übernommen (Wundversorgung, Amputationen, Geburtshilfe einschließlich Kaiserschnitte, Versorgung von AIDS- und Tuberkulosekranken etc.)

In den letzten Jahren seit 2012 ist eine positive Entwicklung der ärztlichen Ausbildungskapazitäten im Lande zu erkennen. Es gibt im Jahr 2017 insgesamt 28 staatlich finanzierte und acht private referral und teaching colleges, die eine ärztliche und teilweise auch fachärztliche Ausbildung durchführen.

Die meisten Ärzte arbeiten in staatlichen Krankenhäusern. Das Einkommen dort ist gering und erlaubt kein adäquates Leben. Daher haben die meisten Ärzte zusätzlich eine Privatpraxis. Regional unterschiedlich verbringen sie dort einen großen Teil ihrer Arbeitszeit. In   sehen sie häufig bis in die Abendstunden eine große Zahl einen geringe Betrag bar zahlender ambulanter Patienten.In den großen Städten entstehen zunehmend privat geführte Arztpraxen und private Krankenhäuser.

Krankenhausbetten sind knapp in Äthiopien. Mit zunehmender Akzeptanz moderner Medizin durch die ländliche Bevölkerung und Vermehrung von medizinischen Personal sind diese sehr stark genutzt. Daher sind zahlreiche große neue Kliniken im gesamten Lande im Bau. Dies jedoch, ohne dass sicher gestellt ist, dass die technische Infrastruktur und eine ausreichende Zahl qualifizierter Ärzte hierfür vorhanden ist.
Nach wie vor ist die Verbreitung moderner medizinischer Technologie in der Fläche sehr gering.

Das Personal im medizinischen Bereich (Ärzte, Schwestern/Pfleger, Health Officers) ist oft sehr gut theoretisch ausgebildet und deren praktische Erfahrungen auf basismedizinischem Gebiet sind für europäische Verhältnisse erstaunlich gut. Es fehlt aber fast vollständig medizin-technisches Personal. Auch ist die Beschaffung von Ersatzteilen für das Entwicklungsland extrem schwierig und langwierig. Daher werden vorhandene medizinische Geräte kaum gewartet und können bei Defekten meist nicht mehr repariert werden. In vielen Kliniken stehen daher zahlreiche hochwertige Geräte nutzlos herum, nur weil sie einen kleinen Defekt haben oder weil die (ausländische) Bedienungsanleitung nicht gelesen werden kann.

April 2018

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Auf einer auch 2018 noch aktuellen Analyse- und Reparatur-Reise zweier unserer Ingenieure in 8 Kliniken des Nordens im Januar 2011 konnten zahlreiche wichtige Geräte (Autoklaven, Sauerstoffgeräte, Narkose- und Laborgeräte) durch banale Eingriffe wieder funktionstüchtig machen. Die Ingenieure waren speziell zur Weitergabe ihres technischen Wissens und vor Ort Training von Technikpersonal in diese Kliniken entsandt worden. Sie fanden jedoch dort kein Personal vor, welches sie hätten trainieren können.
Dies Zeigt, dass medizinische und andere Geräte in Krankenhäusern häufig nur solange funktionieren, wie sich eine ausländische Entwicklungshilfe Organisation (NGO) darum kümmert. In der Stadt Adua wurde zum Beispiel von einer norwegischen NGO eine Röntgenanlage installiert und einige Jahre lang betreut. Nach Rückzug der Norweger fielen sukzessive Teile, wie Durchleuchtung und automatische Entwicklung aus. Die Anlage kann heute nur noch zum Anfertigen einfacher Röntgen-Aufnahmen verwendet werden.

Die hauptsächlichen Gesundheitsprobleme in Äthiopien sind nach wie vor Infektionskrankheiten wie Malaria, Tuberkulose, Wurminfektionen, Leishmaniose, Bilharziose, Durchfallerkrankungen, Infekte der oberen und unteren Luftwege, Asthma, Hauterkrankungen und HIV/Aids-Infektionen, Augenkrankheiten wie Trachom und Epilepsie.

Das in Folge von kindlicher bakterieller Halsentzündung auftretende Rheumatischen Fieber mit der Folge der schweren Rheumatischen Herzkrankheit tritt angesichts der jungen Bevölkerung unverändert in großer Zahl auf. Programme zur einfach durchzuführende Behandlung der Grunderkrankung mit Penicillin werden nun zusammen mit unserem Verein Etiopia-Witten eingeführt.

Ebenso kommt es bei der sich entwickelnden sozialen Mittelschicht zu einer Zunahme westlicher Lebensweise vermehrt zu Herz-und Gefäßkrankheiten auf dem Boden von Bluthochdruck und Diabetes Mellitus mit den Folge von Herzinfarkt und Schlaganfall. Wesentlich sind auch bei zunehmendem Autoverkehr Verkehrsunfälle, aber auch häusliche Unfälle mit Verbrennungen, Frakturen und Pfählungen.

Die perinatale Sterblichkeit von Kindern ist seit 2005 halbiert, jedoch immer noch hoch (2017: 49,6/1.000 Lebendgeburten), die der Mütter 2013 war 358 Todesfälle auf 100.000 Lebend-Geburten. (2013 in Deutschland 7 Todesfälle auf 100.000 Geburten). Durch eine Geburtenzahl von 5,1 für jede Frau und einem jährlichen Bevölkerungswachstum von fast 3% steht die äthiopische Gesellschaft mit der rasch wachsenden, sehr jungen Bevölkerung (40% im Alter unter 14 Jahren) vor extremen Herausforderungen für deren Ausbildung, Beschäftigung und Gesundheitsversorgung.

Aus diesen Tatsachen zogen wir für unseren Verein den Schluss, dass es angesichts dieser Verhältnisse nicht erfolgversprechend sein würde, vor Ort in Äthiopien auf dem Lande mit Ärzteteams aus Deutschland einzelne Patienten mit modernen medizinischen Techniken und mitgebrachtem Material zu behandeln. Wir kamen zu dem Schluss, dass es ein sehr viel erfolgversprechender Ansatz für unsere Unterstützung sein würde, sich darauf zu konzentrieren, ein einzelnes äthiopisches Universitätskrankenhaus langfristig so zu unterstützen, dass eine moderne und damit beispielhafte Klinikstruktur gemeinsam mit den dort vor Ort Tätigen Ärzten, Pflegekräften, Apothekern Verwaltungskräften und Technikern entstehen kann.

Hierfür wurde das Ayder Referral Hospital der Universität in Mekelle, der Hauptstadt der Nordprovinz Tigray ausgewählt. Es hebt sich neben einer für afrikanische Verhältnisse guten Baustruktur auch durch ein besonders interessiertes, lernbereites und engagiertes Ärzte- und Verwaltungsteam aus.

Das Ziel ist durch die Kombination aus materieller Hilfe und regelmäßigem Einsatz in Mekelle von Spezialisten aus Deutschland auf allen Gebieten diese Universitätsklinik nachhaltig mit so zu gestalten, dass sie als Vorbild für andere Universitäts- und großen kommunalen Krankenhäuser dienen soll und kann.

Die Initiierung, Organisation und partielle Finanzierung von neuen, wissenschaftlich begleiteten Gesundheitsprogrammes durch den Verein gemeinsam mit deutschen Entwicklungshilfeorganisationen und der Universität Mekelle, wie z.B. die Primärprävention der Rheumatischen Herzkrankheit, eröffnet neue Aufgabenfelder, die überregionale gesamtmedizinischen Wirkungen entfalten können.

Wir hoffen, dass auf diese Weise auf breiter Basis eine Verbesserung der Ausbildung der aktuell tätigen und zukünftigen medizinischen Lehrer und Ausbilder auf administratorischem und technischem Gebiet möglich gemacht werden kann. Da in diesem Universitätsklinikum in großer Zahl Ärzte, Pflegepersonal und Hebammen ausgebildet werden, kommen die von uns vermittelten Kenntnisse und Erfahrungen auf diesem Wege der Gesundheitsversorgung in ganz Äthiopien zu Gute.

Zusätzlich werden, soweit die Möglichkeiten des Vereins es zulassen, punktuell auch in Mekelle das städtische Hospital und auch das Ausbildungskrankenhaus in Addis Abeba, St. Paulus Hospital mit unterstützt.

Das Schulwesen in Äthiopien

Seit 1994 gibt es in Äthiopien ein strukturiertes Erziehungssystem. Die Primary School beginnt im Alter von  7. Jahren und dauert 8 Jahre. Nur für sie besteht Schulpflicht und sie ist kostenlos. Die Secondary School ist in zwei Abschnitte unterteilt: den unteren Teil, der die Schuljahre 9 und 10 und den oberen, der die Jahre 11 und 12 umfasst.  Am Ende der Jahrgangsstufen 8, 10 und 12 finden gesamtstaatliche Examina statt. Es gibt noch eine nicht verpflichtende Vorschulerziehung für die Lebensjahre 4 bis 6. Die Qualität Ergebnisse der Examina am Ende der 12. Klasse bestimmt die Zugangsmöglichkeiten zu einem Universitätsstudium.
Im gesamten Land sind flächendeckend Primary Schools eingerichtet. Wegen der großen Zahl der Schüler und der unzureichenden  Zahl an Lehrern und Schulräumen findet der Unterricht mit täglich wenigen Stunden und in zwei Schichten statt.
Im Jahr 2016 werden im Norden Äthiopiens die Kinder auf dem Lande in  175 „Baumschulen“  unterrichtet.  Währen des Unterrichts dieser Primary Schools Sie sitzen auf Steinen, das Heft auf den Knien und die Tafel an den Baumstamm gelehnt.
Diese Eindrücke haben Mitglieder des Vereins Etiopia-Witten dazu bewegt , Geld für den Bau von Schulgebäuden zu sammeln, damit die Kinder einen geschützten Raum zum Lernen haben. Die so gesammelten Spenden werden für den Bau und die Möblierung von einfachen Schulgebäuden eingesetzt. Der Bau wird in enger Abstimmung mit der örtlichen Schulbehörde gemeinsam mit der großen Tigray Development Association und der Universität durchgeführt und co-finanziert.
So sind seit 2012 neue Gebäude für fünf verschiedene Primary Schools gebaut und eingerichtet worden. Einige Schulen haben Laptops und PC mit modernem Lehrmaterial erhalten.

Krankentransport
Krankentransport auf dem Lande
Wartezone im Ayder Hospital
Patienten warten auf die Aufnahme im Ayder Hospital
Patientenzimmer Ayder Hospital Mekelle
Patientenzimmer Ayder Hospital Mekelle
Bau eines Herzkatheterlabors im Ayder Hospital
Bau eines Herzkatheterlabors im Ayder Hospital
Baumschule
Baumschule auf dem Lande
Schule im Bau
Schule im Bau
Feuerwehr Mekelle schlecht ausgerüstet
Feuerwehr Mekelle schlecht ausgerüstet
Städtepartnerschaft Witten/Mekelle wird geschlossen
Städtepartnerschaft Witten/Mekelle wird geschlossen